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Die Herrschaft der Gutmenschen - D. Eggers' "Der Circle"

Verantwortlicher Autor: Gerhard Bachleitner München, 06.03.2026, 13:42 Uhr
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Architektonisch bereits geschlossen: das Hauptquartier des "Circle"
Architektonisch bereits geschlossen: das Hauptquartier des "Circle"  Bild: G. Bachleitner mit Hilfe von Copilot

München [ENA] Dem Buch gelangweilt vorzuhalten, es gehe nicht über Orwells wohlbekanntes 1984 hinaus, und der Verfilmung von 2017, sie bleibe hinter der Gegenwart zurück, ist kurzschlüssig. Im Gegenteil sollte die Frage lauten: weshalb brauchte es diese neue Dystopie, haben wir aus der früheren nichts gelernt?

Eggers brauchte die aktuelle, digital gewordene Gesellschaft nur ganz sachte fortzuschreiben, um uns einen erschreckenden Spiegel vorzuhalten. Nur ein Amerikaner konnte die im Heimatland des digitalen Überwachungskapitalismus (Shoshana Zuboff) angesiedelten Unternehmen so treffend und detailreich beschreiben, ihre perfide höflichen Umgangsformen der innerbetrieblichen Kommunikation, die stets asymmetrisch und machtorientiert sind, die Abwesenheit oder Abweisung von Arbeitsmarktgesetzsgebung, Arbeitszeitregeln, Betriebsrat, Privatheit, den irrwitzigen, quantitativ berechneten Erfolgsdruck und die als Geißel benutzte Social-Media-Welt ("PartiRank").

Gesellschaftliche Rahmenbedingungen

Eggers legt die Wurzeln jenes digitalen Imperialismus frei, der stets auch Alteuropa als kulturelle Kolonie der USA mit neuen Diensten, Plattformen und Technologien heimsucht, die für die abseits stehenden Europäer meist wie aus dem Nichts zu kommen scheinen. Das ist natürlich nicht der Fall. Angehörige einer nichtdigital aufgewachsenen Generation tun sich zwar aufgrund der Gnade der frühen Geburt leicht, die Ranking-Paranoia und den Social-Media-Terror in diesem Buch für belanglos, weil sie nicht betreffend, zu halten, doch der Rest der Gesellschaft, auch der hiesigen, leistet dagegen keinen Widerstand.

Selbst die einschlägigen gesetzlichen Maßnahmen (seitens der EU) wirken eher wie ein peinliches Mißverständnis gegenüber gesellschaftlicher Modernität und wie die Trotzreaktion von Ausgeschlossenen. Eggers beschreibt lediglich die Zurichtung eines sonst chancenlosen Individuums zu einem angepaßten Mitläufer der vorgegebenen Trends und zu einem willfährigen "Leistungsträger" im Unternehmen. Nichts als finanzielle Bestechung, Untergebenheit, ein wenig Geltungsdrang und Konkurrenzbereitschaft und die allmähliche Übernahme/Verinnerlichng der Unternehmensziele brauchte es hierfür.

Der aus deutscher Perspektive befremdliche, da allgegenwärtige Konformismus in der amerikanischen Gesellschaft hat allerdings tiefreichende historische Wurzeln, die schon vor zweihundert Jahren A. de Tocqueville hellsichtig beschrieben hat. Eine besondere Entartung des Konformismus ist sogar nach Europa übergeschwappt, der fanatische Egalitarismus der "Wokeness", der nicht nur alle realen Unterschiede eingeebnet sehen, sondern auch aus der Geschichte eliminiert haben will. Daraus resultiert eine vorsätzliche Geschichtsblindheit, die im Falle der demokratieversessenen Amerikaner dazu führt, daß sie frühere Gesellschaftsformen etwa mit Sklaverei nicht nach deren Maßstäben beurteilen können.

Wenn Annie im Laufe ihres PastPerfect-Programms auf sklavenhaltende Vorfahren in England stößt, fühlt sie sich in der Gegenwart beschädigt: "Meine Vorfahren haben sich von irischen Sklaven auf afrikanische Sklaven verlegt. Wie kommt das? Meine Vorfahren konnten einfach nicht anders, als Sklaven zu halten." Die andere Zuchtrute, die auf das Individuum einschlägt, sind die prekären Lebens- und Arbeitsverhältnisse, die man sich hierzulande, wo man gerne über "Sozialabbau" zu lamentieren pflegt, nie plastisch und drastisch genug vor Augen führen kann.

Mae Hollands erste Anstellung beim kommunalen Gaswerk ist fad und trübe, der Ruhestand der Eltern, die immerhin auch einmal Firmeninhaber waren, wird immer mühsamer, vor allem durch die Multiple Sklerose des Vaters, derer sich die Krankenversicherung - die wie alle amerikanischen Firmen den Kunden stets übervorteilen wollen - entledigen will. Notgedrungen muß sich die Mutter um ihn kümmern.

So erscheint die von Maes Freundin Annie vermittelte Anstellung beim Monopolunternehmen Circle, in dem Eggers offenkundig Google, Apple und Meta bündelt, wie der Eintritt ins Paradies. Dazu gehört u.a. eine Rundumbetreuung mit kostenfreien Veranstaltungen in der Freizeit, ein Gratisladen, eine hochmoderne firmeneigene Klinik und schließlich sogar die Familienversicherung in der firmeneigenen Krankenversicherung. Dafür muß Mae immer mehr Arbeit übernehmen, immer größere Teile ihrer Freizeit opfern und fängt auch an, im Firmengebäude zu übernachten.

Eggers buchstabiert den digitalen Überwachungskapitalismus gründlich und nah an den aktuellen technischen Möglichkeiten aus. Eine miniaturisierte sog. Lolli-Kamera wird flächendeckend und weltweit verbreitet, um keinen Winkel des öffentlichen Raumes unbeobachtet zu lassen. Die Plattform SeeChange sorgt für "ultimative Transparenz" nach der Maxime: ALLES, WAS PASSIERT, MUSS BEKANNT SEIN. Gleiches gilt unternehmensintern und wird mit CircleSearch realisiert. Die moralische Begründung für derlei Übergriffe ist leicht zur Hand, eine forcierte und pervertierte Aufklärung, wie sie J. Bentham 1787 in seinem Panopticon vorgeschlagen und Foucault in Überwachen und Strafen analytisch aufgearbeitet hat.

Wer will kann das heutige oder künftige Sozialkredit- und Überwachungssystem in China auch auf dieser Linie sehen: Erzwingung von Wohlverhalten und "sozialer Harmonie" durch sanktionsbewehrte Überwachung. Und die gleichen Vorwände wie bei ChildTrack vernimmt man stets auch seitens der EU bei geplanten Maßnahmen zur Kommunikationsüberwachung. Der Circle implementiert die Überwachung geschickt in die Politik, weil in der Demokratie auf moralisch einwandfreies Verhalten Wert gelegt wird. Ausgehend von einer Kongreßabgeordneten verbreitet sich der Transparenzdruck in der ganzen politischen Kaste, so daß bald ein Robbespierre'scher Tugendterror die Folge ist.

Eggers kürzt hier eine anthropologisch und soziologisch grundlegende Debatte allerdings forsch ab, deren Ambivalenzen moralphilosophisch immer schon ein Thema waren. Privatheit ist Diebstahl aktualisiert zweifellos das Motto der Frühsozialisten Eigentum ist Diebstahl (Proudhon 1840, Brissot 1780), das rousseauistisch inspiriert ist. Und er legt auch eine falsche Fährte, wenn er die geforderte Transparenz programmatisch und individuell ins Werk setzt - als Bekenntnis und öffentliche Statusänderung einzelner Personen oder Gruppen.

Daß der im Buch insinuierte Transparenzdruck der Politiker in der Realität nicht stattfindet, zeigt schon die irreführende Gewichtung. Tatsächlich wird die Transparenz von den Konzernen auf technischem Wege erschlichen und bleibt weitgehend unauffällig. Personalisierte Transparenz hingegen kennt man schon länger als Reality-TV, das keineswegs der mediale Normalzustand der Gesellschaft ist, sondern ein verachtetes Format im Unterschichtenfernsehen.

Auch die erleichterte Verbrecherjagd als Begründung für erweiterte Kommunikationsüberwachung ist keineswegs neu und immer auch ein staatliches Anliegen gewesen. Für Europäer - und Deutsche, die sich mühelos an DDR und Stasi erinnern - ist lediglich ungewohnt, daß die Überwachung nicht von dem in den USA traditionell anders gewichteten Staat vorgenommen wird. Statt dessen wird sie von einem Unternehmen und mit dem programmatisch-ideologischen Titel SoulSearch übernommen.

Hier wird die quasireligiöse Rettung der Seelen zur Schau gestellt. So effektvoll rasch und reibungslos, wie sie Eggers inszeniert, funktioniert sie aber nur im Film, und er ignoriert dabei notabene auch die Zeitverschiebung, die eine solche Jagd gewiß nicht von Kalifornien aus gleichzeitig in England erlaubt. Der im zweiten Beispiel vorfallende Kollateralschaden, Mercers Unfalltod auf seiner Flucht vor den digitalen Häschern, ist dick aufgetragen.

Transparenz und Intransparenz im Alltag

Bei ihrer ersten firmeninternen Liebesaffäre bekommt Mae die Wirkung der totalen Transparenz erstmals schmerzhaft zu spüren. Ihr anfänglicher kleiner Flirt mit Francis, den Eggers allerdings recht hurtig zu Demonstrationszwecken ins Spiel bringt, wird von Francis bei nächster Gelegenheit zum Nutzen der Firma instrumentalisiert. Er zitiert Mae ohne ihre Einwilligung namentlich bei der Präsentation der Kontaktbörse LuvLuv. Eggers verschärft die Indiskretion, als sich Mae zu einem Akt mit Francis herbeiläßt, von ihm aber heimlich gefilmt wird und er die Löschung des Videos verweigert.

Diese Szene läuft schon recht schematisch ab, und bei den folgenden Sexszenen drängt sich geradezu der Verdacht auf, daß derlei zu den Lektüreerwartungen des amerikanischen Publikums gehört. Wie sich Mae von Kalden zuerst in den geheimnisvollen Katakomben des Gebäudes und dann sogar im WC nehmen läßt und das Geschehen auch gleich Annie petzt, obwohl sie es dafür in allerlei Lügen einbetten muß, ist degoutant und peinlich. Auch der zweite Akt mit Francis verläuft armselig. Und daß Mae ihre Eltern bei einer Fellatio ertappt, ist nicht nur ein digitales Datenschutzproblem, sondern auch in der analogen Welt eine kaum begründbare Indiskretion.

Hier bedient Eggers offenkundig ein voyeuristisches Interesse der Leserschaft, bei der er vermutlich das einschlägige puritanische Erbe voraussetzen kann. Im Film werden derlei Peinlichkeiten wohltuend abgemildert oder eliminiert. Die Nebenhandlung mit Francis und seinen sexuellen Problemen fehlt ganz, Maes Indiskretion bei ihren Eltern fällt nicht physisch vor, sondern nur als versehentlich medial übermitteltes Geschehen, und zeigt auch keine Fellatio, sondern die Anwendung einer Pumpe, die bei einem MS-Kranken verständlich erscheint. Allerdings entsteht dabei das neue Problem, daß diese Eltern gewiß nicht ausgerechnet die Kamera im Schlafzimmer intakt gelassen hätten, wenn sie die übrigen im Hause abgedeckt haben.

Die Welt außerhalb des Circle erscheint wie eine zurückgebliebene, da nicht digital aufgerüstete Zone. Der Kajakverleiher scheitert bei der Buchung am WLAN, und das Paar auf dem heruntergekommenen Hausboot in der Bucht macht einen geradezu asozialen Eindruck (den Eggers mit bemerkenswert authentischem Kommunikationsverhalten ausstattet). Diese Szene greift offenkundig jene Flucht von W. Smith in die noch unkontrollierte (und verbotene) Außenwelt in 1984 auf.

Diese vermeintlich unüberwachte Welt wird aber unversehens auch Mae zur Falle, als sie in einer spontanen Anwandlung nächtens mit einem nicht regulär zurückgegebenen Kajak aufs Meer hinausfahren zu müssen glaubt und bei der Rückkunft von der Polizei verhaftet wird, weil die SeeChange-Kameras auch dort aktiv waren. Der Ex-Freund Mercer, den Mae bei ihren Eltern trifft, ist ein ehrgeizloser Loser, wie man im Jargon sagen würde. Als ihm Mae für einen kunsthandwerklichen Kronleuchter bei ihren Eltern digitale Publizität und damit Umsatzmöglichkeiten verschafft, eskaliert die Feindschaft, die Eggers an dieser Stelle allerdings zu einem Thesendialog benutzt, den ein guter Erzähler vermieden hätte.

Später wird die Konfrontation mit seinem Verabschiedungsbrief fortgesetzt. Ein anderer, nützlich-entlarvender Thesendialog ist das Verhör mit dem Firmenchef Bailey, dem sich Mae nach dem Malheur mit der Verhaftung unterwerfen muß, sowie das nachfolgende Podiumsgespräch, in dem die Sünderin für die forcierte Transparenzstrategie des Circle instrumentalisiert wird. Offensichtlich wird hier der Topos der christlichen Beichte mit Schuldbekenntnis, Reue und Absolution säkularisiert aufgegriffen.

Dies wirft auch ein Licht auf Eggers' Erzählabsicht, denn eine solche, quasi liturgische Konstellation kennt man u.a. aus dem sog. Jesuitendrama des Barocks. Dort wird eine allegorische Figur göttlichen Geboten ausgesetzt, versagt und wird geläutert oder verdammt. Eine individuelle Charakterisierung ist dabei unnötig, weil es um überindividuelle Einstellungen, Haltungen und Handlungsroutinen geht.

Zur Rezeption

Daß Eggers keinen Wert auf stilistisch-"literarische" Originalität legt, weil sich die Dringlichkeit des Sujets in den Vordergrund schiebt, sollte man akzeptieren. Der Vorwurf, er "schildere die Zukunft mit den erzählerischen Mitteln der Vergangenheit", oder das hochnäsige Geschwätz, es sei ein "Roman für Alt-Analoge und Internet-Hasser", kann die Bedrohlichkeit der Zukunft, von der wir uns 12 Jahre später durchaus überzeugen können, nicht entschärfen, geht also am Zweck des Buches vorbei. Vom prosaischen Alltag der technischen Zukunft braucht man auch nichts als alltägliche Prosa zu erwarten.

Der Vorwurf von der anderen, technischen Seite aus, er "mache die Internetkonzerne zu Dämonen, anstatt Argumente für eine ausgewogene Diskussion zu liefern", geht wiederum am Ziel vorbei. Wenn sich der einschlägige Internetkritiker Sascha Lobo mit einer kontraintuitiven Position äußert, kann man das banale Interesse vermuten, der Diskussion tendenziell und vermeintlich eine Drehung voraus sein zu wollen. Einer Dämonisierung leistet Eggers allerdings motivisch Vorschub, wenn er zweimal eine plakative Haifütterung im Aquarium inszeniert, die den Circle als Hai im Kommunikationsozean symbolisieren soll.

Außerdem ist die bekannte Geschichte vom genialen Erfinder (Kalden), der von den skrupellosen Kapitalisten in der Firmenleitung überspielt wird und die Humanität retten will, nicht sonderlich plausibel. Die Dämonisierung der Bösen dient hier als Kontrast für die Lichtgestalt des Retters, ist aber narrativ vielleicht bis zu einem gewissen Grade unumgänglich. So kommt man freilich der strukturellen Logik der Netzwerke nicht bei. Allerdings kann man keine "ausgewogene Diskussion" erwarten, wenn der Feind stets neue Bedingungen diktiert und sich die "Zivilgesellschaft", die man hierzulande sonst so gerne als Verhinderungsprotagonist ins Feld führt, grundsätzlich in der Defensive und im Rückstand befindet.

Im Gegenteil rechtfertigen die Widerstandslosigkeit, mit der der Datenzugriff auf den gesamten Alltag ausgedehnt wird, und das flächendeckende digitale Analphabetentum, das durch die Einführung von Smartphone und KI nochmals kräftig verstärkt wurde, eine Dämonisierung, d.h. Profilierung der Drahtzieher allemal. Der Wunsch an den Roman, die schroffen Gegensätze vermittelt und einen konstruktiven Ausweg aus der Datenparanoia gewiesen zu bekommen, ist abwegig, denn die nötigen Schlüsse aus der beschriebenen Dystopie zu ziehen, kann und muß dem Leser in seiner jeweiligen medialen Positionierung überlassen bleiben, zumal wenn die Einsicht auch zur Verhaltensänderung führen soll.

Im übrigen liefern die einschlägigen Konzerne ohnehin jederzeit neue Gründe für Dämonisierung, wie die derzeitige KI-Implementierung zeigt. Diese wäre - wenn sie der Autor hätte voraussehen können - ein substanzieller Einwand der Veraltung gegen Eggers' Konzept, das Datensammlung und Transparenzdiktatur seit 1984 ziemlich linear fortschreibt. Das Social-Media-Unwesen läuft zwar auf den bekannten Bahnen routiniert weiter und treibt die Fragmentierung der Gesellschaft voran, doch jenseits dieser Frontlinie stellt die KI ein neues Werkzeug zur individuellen Ausforschung, Dequalifikation oder ggf. Dehumanisierung dar.

Eine wichtige Rezeptionsform ist der Film, der bald nach Erscheinen des Buches realisiert und von Eggers mitgestaltet wurde. Die erwähnte Straffung der Handlung und Milderung krasser Details läßt sich unschwer rechtfertigen. Die Besetzung ist mit Tom Hanks als Bailey und Emma Watson als Mae sehr gut getroffen. Hanks wurde leicht zu Steve Jobs stilisiert, und Watson gibt die jugendliche Unbedarftheit ihrer Figur glaubhaft wieder. Mercer wurde allerdings auffällig domestiziert, in diesem Falle kultiviert, denn Eggers schildert eine "riesige, unförmige Gestalt", und Mae sieht mit Schrecken, "wie dick er war, wie feist."

Das ist allerdings die Normalform vieler Amerikaner, die man im Film jedoch nicht sehen will. Hier sieht man den asthenischen und sympathischen Ellar Coltrane. Daß man Kalden zu einem Quoten-Schwarzen machen zu müssen glaubte, befremdet, weil es die Realität in den Führungsetagen dieser Firmen nicht wiedergibt, und man konnte sich das auch nur erlauben, weil man die sexuelle Bindung Maes an Kalden vollständig eliminierte. Eher hätte man sich Coltrane in dieser Rolle als idealistischen Erfinder vorgestellt. Daß Eggers das konstruktive Ende im Film entweder vorgeschlagen oder akzeptiert hat, zeigt die Berechtigung einer solchen Lösung, und wenn er überstimmt worden sein sollte, läßt sich noch der dramaturgische Nutzen ins Feld führen.

Bailey und Stenton werden mit ihren eigenen Waffen der Transparenz geschlagen und der totalitäre Furor der Firma gebrochen. Die dabei transportierte Erwartung, man könne das Unternehmen nutzerfreundlich umgestalten und am Ende die Drohnen als Freunde begrüßen, leugnet allerdings die strukturelle Macht des kapitalistischen Marktes. Im Buch wählt Eggers die pessimistische, realistischere Lösung, die selbe wie Orwell in 1984: die Dissidenten in spe geben klein bei oder werden zu Verrätern. Mae ordnet sich unter und Kalden wird auf dem Firmengelände kaltgestellt. Dave Eggers: Der Circle. 2014 by Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln Der Circle (USA/VAE 2017 · 110 min. Regie: James Ponsoldt)

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