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Filmhit 'Barbie'

Verantwortlicher Autor: Kurt Lehberger Frankfurt, 13.09.2023, 21:14 Uhr
Fachartikel: +++ Kunst, Kultur und Musik +++ Bericht 7063x gelesen

Frankfurt [ENA] Blond, schön und trendy, so ist sie, die 29 cm große, schlanke Puppe von der Kinderhand geführt. Sie kennt keine menschliche Regung, keinen Gedanken, sie ist tote Plastikmaterie. Alles um sie herum ist in pink. Sie ist Barbie, eine neben anderen aus der Serie „schöne Frauen“ von Matell. Da ist noch Ken, der männliche Gegenpart. Barbie & Ken sind einander als Paar versprochen. Ken kann nur Beach; er ist kein Surfer und kein Lebensretter.

Die schöne, bequeme Welt der Puppen. Sie kennen nur Sommer, Strand und Jugend. Es gibt keine Eintrübung, bis Barbie plötzlich denkt, an den Tod denkt, denkt, dass wir endlich sind. Schock! Sie verliert das Gleichgewicht. Von den Stöckelschuhen fällt sie in Birkenstock. Der erhöhte Schritt wird flach. Ihr Körper, der sich ihrer Kontrolle entzieht, widersetzt sich. Ein existentieller Wandel für Barbie. Um wieder Puppe zu werden, muss sie in das wirkliche Leben. Die Wirklichkeit wird bestimmt von Kapitalismus und Ausbeutung. Die Frauen stehen unter der Knute der Männer. Kinder funktionieren, wie die Barbie-Welt es ihnen vorspielt.

Mager sein und gleichzeitig gesund sein, wie passt das zusammen? Wer setzt die Ideale? Wie kommen die Kinder damit klar? Der Hersteller der Barbie-Puppen, Matell, ist ein männergeführtes und hierarchisches Unternehmen. Die Puppen werden nach finanziellem Kalkül entwickelt. Ruth Handler, die Barbie 1959 erfunden hat, tritt im Film als alte Dame auf und kreiert in einer Nische im Unternehmen neue Puppen. In Wirklichkeit war Ruth Handler ehrgeizig und voller Energie und nicht zurückhaltend und vom Business entrückt wie im Film dargestellt. Die Puppenwelt und die reale Welt mischen sich im Film für kurze Zeit. Die Männer zelebrieren sich in schnellen Autos, Pferdegalopps und Schlägereien.

Ken fühlt sich mehr und mehr als Ich, anstatt als Produkt der Ken-Serie von Matell. Er findet seine Identität, sein wahres Ich. Barbie selbst wird zu einem Menschen, mit allen menschlichen Gefühlen und körperlichen Eigenschaften einer Frau. Alle Puppen werden Menschen, divers, inklusiv, alternd und in ihrer eigenen Identität. Der Film bringt alle Klischees einer kalifornischen Mittelstandsgesellschaft auf die Leinwand. So als wäre die Drehbuchautorin niemals aus ihrer amerikanischen, weißen Welt herausgetreten. Die Menschen in den Armenvierteln haben andere Probleme. Sie besitzen keine Barbiepuppen. Die Kinder haben oft keine Zeit zum Spielen, da sie arbeiten müssen oder weil sie zu schwach dazu sind.

Gut sind die lautstark und deutlich gesprochenen Lehrsätze über Authenzität, Identität, eigene Stärke, Stolz, Freiheit im Denken und im Handeln und Gleichheit der Geschlechter im politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und privaten Leben. Das könnte bei jungen Erwachsenen verstanden werden. Die 12- bis 14-jährigen Mädchen, die im Kino vor mir saßen, waren unruhig und konnten dem philosophischen Pfad im Film nicht folgen. Für wen ist der Film gedreht? Es ist eine Fantasie-Komödie, die sich an die Erwachsenen richtet und kritisch, witzig und unterhaltsam die Zeit der sorgenfreien Wirtschaftswunderjahre in der Produktwelt von Kinderspielzeug spiegelt. Kinder und Erwachsene spielen mit Barbiepuppen.

Die sorglose Welt der Barbies soll helfen, der realen Welt zu entfliehen. Die bessere Haltung wäre das mutige Handeln, um sich in der realen Welt durchzusetzen. Das ist das Thema des Films. Die Tanzszenen und die Musik z.B. das Ken Ballett, erinnern an John Travolta berühmter Auftritt in Grease. Sie sind erfrischend, raffiniert gemacht und bringen eine heitere Stimmung in das Publikum. Der Film ist ein Kassenschlager in USA und läuft zurzeit in vielen Kinos in Deutschland. Der Regisseurin und Drehbuchautorin Greta Gerwig ist es gelungen, einen Film zu produzieren, der beim Publikum gut ankommt und für viel Kritik sorgt. Barbie wird zauberhaft gut gespielt von Margot Robbie.

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