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Man Ray - Forme di Luce

Verantwortlicher Autor: Prof.Dr. Peter Schroeder Mailand, 20.11.2025, 12:14 Uhr
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Eingang der Ausstellung im Palazzo Reale
Eingang der Ausstellung im Palazzo Reale  Bild: Schroeder

Mailand [ENA] Derzeit findet im Palazzo Reale in Mailand eine umfangreiche Retrospektive zu Man Ray statt. Die Ausstellung umfasst knapp dreihundert Werke und bietet einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Künstlers. Man Ray gilt als Meister im Umgang mit Licht und Materie.

Man Rays Bilder zeichnen sich durch eine einzigartige Bildsprache aus, die sowohl von Inspiration als auch von experimenteller Kreativität geprägt ist. Man Ray wurde am 27.August 1890 als Kind russisch-jüdischer Eltern als Emmanuel Rudnitzky (auch Emmanuel Radnitzky) in Philadelphia geboren. 1908 begann er sein Studium an der National Academy of Design und war Mitglied der Arts Students League in New York. Ab 1912 war er an der Modern School des New Yorker Ferrer Centers eingeschrieben, einer Schule mit liberal-anarchistischer Ausrichtung.

1914 erwarb Man Ray seine erste Kamera. Ein Jahr später, 1915, fand seine erste Einzelausstellung in der Daniel Gallery in der 2 West 47th Street in New York statt. Dort traf er auch Marcel Duchamp, der sein Interesse an der Fotografie maßgeblich beeinflusste. Von 1921 bis 1940 lebte Man Ray in Paris. Dort führte Duchamp ihn in den Kreis der Dadaisten ein. In dieser Zeit intensivierte Man Ray seine fotografische Arbeit und erweiterte sein Schaffen um Filme sowie avantgardistische Modefotografien. Er experimentierte mit der Technik der Solarisation und fertigte erste Farbaufnahmen an.

1940 kehrte er, er besaß noch seinen amerikanischen Pass, kriegsbedingt in die USA zurück, wo er bis 1951 lebte. Im Jahr 1951 zog er erneut nach Paris, wo er am 18. November 1976 verstarb. Das Palazzo Reale zeigt eine umfangreiche Retrospektive, die diesem grossen Protagonisten der Kunst des vergangenen 20. Jahrhunderts gewidmet ist. Gefördert von der Stadt Mailand und vom Palazzo Reale in Zusammenarbeit mit Silvana Editoriale, dem italienischen auf Kunst- und Fotografie-Monografien, Ausstellungskataloge, Museums- und Galerieführer, kunsthistorische Titel und Bücher über Design spezialisierten Verlag und kuratiert von Pierre-Yves Butzbach und Robert Rocca, ist die Ausstellung Teil eines Programms der Kulturolympiade Mailand Cortina 2026.

Dieses Projekt stellt im Vorfeld der Olympischen und Paralympischen Winterspiele im kommenden Jahr ein multidisziplinäres und umfassendes Vorhaben dar, das Italien durchqueren wird. Ziel ist es, den Dialog zwischen Kunst, Kultur und Sport zu fördern. Der Rundgang durch die Ausstellung vermittelt einen umfassenden Einblick in das Schaffen des Künstlers. Die zentralen Themen sind „Licht, Form und Freiheit“. Gezeigt werden Porträts, Selbstporträts sowie seine berühmten Rayografien. Porträts von sich selbst, seinen Künstlerfreunden oder die Abbildung einfacher Gegenstände dienten ihm als Übungen in Beobachtung, Erfindung und Metamorphose und mündeten in einen poetischen Akt der Performance. In den 1920er Jahren in Paris porträtierte

er bedeutende Persönlichkeiten wie Picasso, Dalí, Miró, Strawinski, Éluard und Breton. Rayografien – Bilder, die ohne Kamera entstehen, indem Objekte direkt auf lichtempfindlichem Papier arrangiert werden – wurden zu seinem dadaistischen und surrealistischen Markenzeichen sowie zu einem zentralen Element seiner visuellen Experimente. Ein Teil der Ausstellung widmet sich dem Einfluss der Musen auf Man Rays Leben. Für ihn waren Frauen nicht nur Fotomodelle, obwohl jede von ihnen für seine Aktaufnahmen, Porträts und schwebenden Posen Modell stand: Kiki de Montparnasse, Lee Miller, Meret Oppenheim, Nusch Eluard, Adrienne „Ady“ Fidelin und zuletzt Juliet Browner, die 1946 seine Frau wurde.

Die Aktaufnahmen sind nie bloße Objekte. Vielmehr entstehen Bilder, die durch Komposition, Licht und Bewegung geprägt sind und sich in ihrer Darstellung unterscheiden: ironisch-sinnlich bei Kiki de Montparnasse, geheimnisvoll und solarisiert bei Lee Miller sowie von Eros und kreativer Intelligenz geprägt bei Meret Oppenheim. Man Ray war ein unermüdlicher Experimentator, der seine visuellen Konzepte auch im Film umsetzte. Die Ausstellung präsentiert vier seiner surrealistischen Filme in voller Länge: Le Retour à la raison (1923), Emak Bakia (1926), L’Étoile de mer (1928) und Les Mystères du Château du Dé (1929). Diese Werke sind weniger bekannt, bedeuten jedoch eine faszinierende Entdeckung eines bedeutenden Teils von Man Rays Schaffen.

Die Ausstellung berichtet in den Abschnitten „Mode, Multiples und Schach“ über ein weiteres Spektrum des Erfindergeistes des Künstlers. Ab 1920 widmete er sich der Modefotografie und arbeitete für Couturiers wie Paul Poiret, Coco Chanel und vor allem Elsa Schiaparelli. Zudem fotografierte er für Werbepublikationen, darunter das Portfolio „Électricité“, das 1931 gemeinsam mit Lee Miller für die Pariser Elektrizitätswerke CPDE entstand. Nach ersten Veröffentlichungen in den Magazinen „VU“ und „Life“ erhielt Man Ray regelmäßig Aufträge von „Vogue“ und „Harper’s Bazaar“. Dabei gelang es ihm, Mode als ein Feld ästhetischer Experimente zu inszenieren.

Unter dem Stichwort „Multiples“ kann der Besucher Werke betrachten, die Man Ray aus seinen bekanntesten Arbeiten abgeleitet hat. Diese sind als Objekte, Lithografien und Stiche präsentiert. Seine Leidenschaft für das Schachspiel, die er mit Marcel Duchamp teilte, führte zur Gestaltung von Schachfiguren, die in der Ausstellung in drei Varianten gezeigt werden. Essentielle Formen und edle Materialien wie Holz, Bronze, Elfenbein und Aluminium charakterisieren diese Figuren. Sie sind weniger zum Spielen gedacht, sondern sollen den Blick fesseln und den Spieltisch in eine Skulptur verwandeln.

Die Ausstellung lädt den Besucher zu einem Rundgang durch das gesamte Schaffen des Künstlers und zeigt seine Hauptthemen (Selbstporträts, Musen, Akte, Rayografien und Solarisationen, Mode), in denen Man Rays Erfindungsgeist und Experimentierfreude von der Mode über das Spiel bis hin zu Alltagsgegenständen zum Ausdruck kommen und ihn als einzigartigen Künstler und Pionier wiederzusehen oder zu entdecken. Die Ausstellung endet am 11. Januar 1926.

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