Freitag, 13.02.2026 05:42 Uhr

Masterplan Mobilität Göttingen Update 12.01.2026

Verantwortlicher Autor: Uwe Hildebrandt Göttingen, 12.01.2026, 15:26 Uhr
Nachricht/Bericht: +++ Lokale Nachrichten +++ Bericht 10902x gelesen
Wenig Sitzplätze im Alten Rathaus Göttingen
Wenig Sitzplätze im Alten Rathaus Göttingen  Bild: Uwe Hildebrandt

Göttingen [ENA] Heute ist es soweit: 4 Wochen nach dem sogenannten Verkehrsforum im Göttinger Rathaus, bei der Bürger ihre Meinungen, Ideen und Kritik einbringen konnten zum Masterplan, nun mein Bericht. Warum so spät, werden sich manche fragen. Falsch, muß ich sagen. Es ist noch viel Zeit. Warum jetzt hier.

Update: Dieser Teil des Berichtes, eigentlich vom 14.12.2025, wurde heute von mir upgedated. Denn wie Sie lesen konnten, sollten ja eigentlich zeitnah die Folien nachgereicht und veröffentlich werden im Internet. Die Folien mit den Konzepten, die Folien mit den Ergebnissen der Live - Abstimmungen im Saal und die Folien mit den Arbeitsergebnissen live vor Ort. Bis heute konnte ich aber keine finden. Also dachte ich mir, frag doch mal nach. Bei der Stadt Göttingen war der Verantwortliche in einem Meeting. Bei der Nachfrage der Moderationsagentur: Die Verantwortliche ist in einem Meeting. Ach nee, womöglich grad beide per Videokonferenz zusammen !?

Die Stadt Göttingen rief mich dann tatsächlich zurück. Also das Folienkonzept sei in der finalen Phase und müsse noch mit der Abt. Öffentlichkeitsarbeit abgestimmt werden, man rechne so in der nächsten Woche mit der Veröffentlichung. Feiertage, Krankheiten, Personalengpässe, was da alles inzwischen passiert ist. Dazu sage ich: Wenn eine einfache Folienarbeit, die ja nach der Aussage vor Ort nach wenigen Tagen online verfügbar sein sollte, auch nach 2 Monaten nicht fertig ist, wundert mich nicht, warum Planung- und Genehmigungsverfahren ewig dauern. Erklärung der Stadt: Man wolle lieber gründliche Ergebnisse liefern auf 10 Seiten statt nur oberflächlich auf 5 Seiten. Natürlich, hätte ich nicht besser begründen können.

Am Tage der Veranstaltung habe ich alle Folien abfotografiert und mir umfassende Notizen vom gesprochenen Wort gemacht. Dann, als der Veranstalter merkte, das auch andere Bürger ihre Handys zückten, die Ansage: Keiner bräuchte das jetzt und hier abfotografieren, weil das nach der Veranstaltung im Internet mit den Ergebnissen der Bürgereingaben veröffentlicht werde. Darauf warten die Bürger und ich heute noch, meine Anfrage bei der Stadt Göttingen ergab, das die Daten auf der Internetseite veröffentlich werden, bei der Agentur ergab die Anfrage, sie seien noch nicht soweit. Wie gesagt, die Veranstaltung war am 17. November diesen Jahres.

Und zum Thema Bekanntgabe der Handyabstimmung live im Rathaus, bei der vorher gesagt würde, eine KI im Hintergrund würde das Ergebnis zusammenfassen und dann publizieren: Nicht einmal innerhalb der 2 Stunden Veranstaltung war die Agentur in der Lage, ein Ergebnis zu veröffentlichen. Deshalb sage ich schon heute: Der sogenannte Perspektivvorausblick bis 2040 wird dann wohl eher bis 2050 gehen, weil vor 2030 der Masterplan Mobilität gar nicht fertig sein wird bei dieser Arbeitsgeschwindigkeit.

Jetzt kann ich auch besser die Aussage eines städtischen Mitarbeiters einordnen, mit dem ich ein Gespräch als Bürger über den Masterplan hatte. Er war überschwenglich belustigt zu meiner Verwunderung und erklärte dann: Das haben wir doch schon zweimal gehabt und haben sie eine Veränderung bemerkt ? Ausser Kosten nix gewesen. Meine Recherche fand dann tatsächlich ein Nahmobilitätskonzept vom 24. März 2017 und eine Studie über den Stadtverkehr der Zukunft von 2019. Und er hat aus meiner Sicht völlig recht: Ich habe in Göttingen keine Veränderung bemerkt, oder doch: Der ÖPNV wurde immer weiter zurück gefahren.

Komisch, wo doch in früheren Zeiten eine massive Kampagne gefahren wurde: Man solle sein Auto zu Hause lassen und ÖPNV fahren, wegen der Umwelt, den kommenden Elektrobussen, es wurde mit Komfort in den Bussen geworben usw. Heute schon wieder Makulatur !? Aber gehen wir zu der Veranstaltung vom 17. November zurück. Der Veranstalter hatte mit ca. 100 - 150 Teilnehmern gerechnet, am Ende waren es eher 200+, es mußten zusätzliche Plätze geschaffen werden. Am Eingang sollte jeder Bürger 2 Aussagen treffen: Woher aus Göttingen und Umgebung er kommt und welches Transportmittel sein Meistgenutztes sei.

Interessanterweise der weite Großteil aus der Innenstadt und näherer Umgebung, nur eine Person aus dem Vorort Rosdorf, eine Person aus Groß Elliehausen, 3 Personen Holtenser Berg (immerhin 3500 Bewohner dieses Stadtteils). Kein Wunder daher der wenig repräsentative Ausgang der Mobilitätsnutzung: Denn angeblich werden Fahrräder und E-Roller deutlich am meisten als Transportmittel genutzt, erst danach kommt der ÖPNV, gefolgt von dem Privatauto und der Rest als Fußgänger. Das der Moderator der Agentur das noch für ausbaufähig bezeichnet und einen klaren Trend erkennt, zeigt mir, das der Wert und die Mobilitätsanstrengungen hauptsächlich für Innenstädtler angepasst werden sollen.

Denn keiner kann ja von ausserhalb die E-Roller oder das Fahrrad nutzen, und schon gar nicht im Winter. Und alle wissen ja, wie schlecht es um ÖPNV in Sachen Anbindung von Vororten ist. Schon immer ein Problem. Nein, ganz im Gegenteil: Das Grundkonzept des Masterplans Mobilität soll in den nächsten Jahren eher so aussehen, das Fußgängerwege und Radwege auf Kosten der Strassen ausgebaut werden und damit manche Strassen zur Einbahnstrasse oder einspurig werden, Busse sollen gewisse Bereiche gar nicht mehr anfahren können. Ich sag es mal mit meinen Worten: Eine Studentenstadt und Stadt für junge Leute soll geschaffen werden. Wer bei dieser Veranstaltung aufgepasst hat merkt dann auch Widersprüche:

Auf einer Art sollen die innerstädtischen Gegebenheiten ausgebaut werden für Kurzstrecken, dann aber stellt die Agentur fest: Die Pendler aus Randgebieten und weiter entfernten Wohngebieten sind die deutliche Mehrheit gegenüber denen in der Innenstadt. Denn den 32.500 in der Innenstadt wohnenden Beschäftigten stehen den fast 55.000 Pendlern gegenüber. Es bleibt ein Geheimnis der Stadt Göttingen und der Agentur, warum daher nicht diese Gruppe besonders berücksichtigt und deren Verbindungen ausgebaut werden. Aber ideologische Gründe waren noch nie an Realitäten geknüpft.

Damit die Bürger sich auch bei dieser Veranstaltung für ernst und wichtig genommen fühlen, zu Beginn gleich 2 interaktive Beteiligungen. Die erste Frage, die durch Abscannen eines QR Codes beantwortet werden sollte oder wie gesagt dessen KI dahinter auch in 2 Stunden kein Ergebnis liefern konnte, war: Was ist auch Ihrer Sicht der wichtigste Handlungsbedarf für die Stadt Göttingen ? Ich sage es vorweg: Ich habe an den für mich überflüssigen Umfragequatsch nicht teilgenommen und kann daher nicht sagen, welche Auswahlmöglichkeiten dort waren, ich bin mir aber sicher die Mobilität ist in Göttingen nicht das vordringlichste Problem.

Dann die 2. Bekennerrunde: Jeweils 3 Bürger, die sich auch nicht kannten, sollten sich austauschen über die Frage, in welcher Situation sie Stress bei Mobiliät erlebt haben. Super. Ganz toll. Dann ging´s an die allgemeinen Informationen zu dem Vorhaben: Bereits Anfang Oktober habe sich ein Arbeitskreis um die Bestandsaufnahme & Evaluierung gekümmert. Nach dieser Veranstaltung werde der Arbeitskreis im Januar wieder zur Analyse zusammentreten, um dann zwischen Februar und Mai die Leitziele zu benennen und zu erarbeiten, mit Hilfe einer Onlinebefragung von Bürgern und eines weiteren Verkehrsforums mit Bürgern.

Die per Zufall (so wie bei den öffentlich rechtlichen Sendern in Politsendungen vermute ich) ausgewählt werden. Am April werde sich dann der Arbeitskreis wieder einschalten, danach im Juni 2026, um die Umsetzungsstrategie zu entwickeln. Da muß sich der Arbeitskreis aber sputen, denn die Sommerferien beginnen nächstes Jahr ab 2. Juli. Bis Ende 2026 soll dann das Mobilitätskonzept stehen. Wer jetzt denkt, endlich macht die Stadt mal was, endlich kommt Bewegung in die desolate Situation der Mobilität, dem will ich mal auf die Sprünge helfen. Was glauben sie, hat die Stadt neben der 2 genannten Studien noch so alles an Konzepten erarbeiten lassen, und alles reichte nicht, jetzt braucht es den großen Wurf !?

Sie werden sich wundern: 2014 begann das Drama, da wurde ein Klimaplan Verkehrsentwicklung der Stadt Göttingen erstellt. Und dann wurde Fahrt aufgenommen: 2016 gab es ein Radverkehrsentwicklungsplan, einen Busbeschleunigungskonzept, 2017 ein Nahmobilitätskonzept, 2019 ein Innenstadtkonzept und ein Masterplan Carsharing, 2021 einen Klimaplan Göttingen und ein Sperrkonzept, dazu ein Bewirtschaftungskonzept Oststadt, 2022 folgten eine Haushaltsbefragung und ein Parkraummanagementkonzept, 2024 ein Klimaanpassungskonzept, 2025 schließlich eine Verkehrsuntersuchung Bahnhofsvorplatz Nord.

Auch in diesem Jahr wurde ein Stadt / Wasser / Hitzeplan entwickelt, die Konzepte Cool Cities und energetische Quartierssanierung laufen noch. Dann kommt zur Sprache, warum die Stadt Göttingen das alles macht: Nicht nur aus Eigeninteresse, nein, es gäbe EU Leitlinien für den Aufbau eines transeuropäischen Verkehrsnetzes. Darin versteckt ist die Forderung nach einem leistungsfähigen nachhaltigen und multimodalen Verkehrsnetzes in ganz Europa. Die Konnektivität soll EU weit nahtlos werden im gesamten Netz und den städtischen Knoten. Bis 2027 ist unter anderem Göttingen und 77 weitere Städte in Deutschland lt. EU verpflichtet, einen Mobilitätsplan zu erstellen.

Interessant in diesem Zusammenhang: Deutschland ist Teil der städtischen Knotenverbindungen in Deutschland, aber vor wenigen Jahren hatte man ernsthaft darüber diskutiert, den ICE nicht mehr in Göttingen Richtung Hannover halten zu lassen, und ab Juni 2026 wird die Strecke Göttingen – Hannover, eine der wichtigsten Verbindungen auch zum Flughafen Hannover, nicht mehr vom Unternehmen Metronom bedient, echte zukunftsweisende Knotenverbindungen, aber die werden ja aufgelöst ! Wie passt das ? Das Highlight der Veranstaltung, also das sollte es sein, war eine Gruppenrunde mit jeweils so 6 Bürgern pro Diskussionstisch, die mit rund 45 Minuten Gesprächszeit angesetzt war.

Bei denen bestimmte Themen behandelt wurden und sich jeder Bürger dazu äussern sollte. Themen waren beispielsweise: Vielfältige öffentliche Mobilität und leichte Umstiege anbieten, gewerblichen Verkehr vielfältiger und stadtverträglich organisieren, interkommunale Wegbeziehungen / Pendelverkehr vielfältiger aufstellen und Umstiege optimieren. Merken sie bei diesen Themen was: Alles vielfältiger. Nee danke, das ist mir zu viel grüne und Oma – Politik. Ich bin raus und habe die Veranstaltung verlassen.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
 
Info.