Freitag, 13.02.2026 04:53 Uhr

Anfahrtslabyrinth in Franzensbad

Verantwortlicher Autor: Stephan Zurfluh Franzensbad, 10.01.2026, 20:06 Uhr
Kommentar: +++ Reise & Tourismus +++ Bericht 4450x gelesen
Parkautomaten in Franzensbad
Parkautomaten in Franzensbad  Bild: Stephan Zurfluh

Franzensbad [ENA] Wer glaubt, eine Tourismusinformation sei dazu da, Gästen den einfachsten Weg zum Ziel zu zeigen, hat das innovative Geschäftsmodell von Franzensbad nicht verstanden. Hier wird Service durch „Erlebnis-Routing“ ersetzt – ein System, das so perfide ist, dass man fast an Absicht glauben könnte.

Die „E-Mail-Amnesie“ als Schutzwall Mein Besuch in der lokalen Infostelle am 7. Januar begann mit einem Klassiker: der kollektiven E-Mail-Amnesie. „Nichts bekommen“, lautete das Mantra. In einer Welt, in der ich als Reisejournalist versuche, Geodaten zu korrigieren und kostenlose Kulturangebote zu machen, ist Franzensbad offensichtlich ein digitales Schwarzes Loch. Aber wer braucht schon E-Mails, wenn man stattdessen analoge Panoramakarten verkaufen kann? Die Falle schnappt zu: 200 Meter vs. 50 Kronen Ich wurde Zeuge einer „Beratung“, die man eigentlich filmen müsste: Ein Gast sucht sein Hotel. Es liegt buchstäblich um die Ecke, keine 200 Meter Fußweg. Doch der Gast will fahren, so verkauft man für 50 Kronen eine Panoramakarte.

Doch das war erst der Anfang des Schildbürgerstreichs. Die Empfehlung des Tourismusexperten. Ja, besser setzen Sie sich ins Auto und nehmen eine weiträumige Umfahrung, um von der „richtigen“ Seite ins Kurviertel einzufahren und dort zu parken. Abkassieren für die Sackgasse Das Ergebnis dieser „Premium-Beratung“ ist ein tourismuspolitischer Totalschaden: Die Gebührenfalle: Der Gast wird genötigt, eine kostenpflichtige Einfahrtsbewilligung für das Kurviertel zu lösen. Die Parkplatz-Lüge: Nach der Irrfahrt stellt der Gast fest: Das Hotel hat gar keinen Parkplatz, man darf nicht mal vorfahren, er darf in der Nebenstrasse ausladen, 100 Meter laufen und muss das Kurviertel wieder verlassen, denn die max. Parkzeit beträgt eine Stunde.

Der Rückzug: Also hat er die Gebühr bezahlt, muss jetzt einen Parkplatz ausserhalb vom Kurviertel mieten und mindestens 200 Meter laufen. Fazit: Profit vor Logik Anstatt den Gast freundlich darauf hinzuweisen: „Lassen Sie das Auto kurz stehen, Ihr Hotel ist gleich da vorne“, schickt man ihn in ein kostenpflichtiges Labyrinth ohne Happy End. Das bringt der Stadt zwar Gebühreneinnahmen für die Einfahrt ins Kurviertel und der Touristinfo 50 Kronen für ein Stück Papier, hinterlässt beim Gast aber das Gefühl, nach allen Regeln der Kunst abgezockt worden zu sein.

Während man in Franzensbad im „eigenen Sud badet“ und international unsichtbar bleibt, perfektioniert man vor Ort die Kunst, den Gast auf der „letzten Meile“ maximal zu verwirren. Wer braucht schon korrekte Google-Daten oder engagierte Reisejournalisten, wenn man ein System hat, das aus 200 Metern Fußweg eine kostenpflichtige Odyssee macht?

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
 
Info.